Die meisten Menschen haben ein bestimmtes Tier im Kopf, wenn sie „Marder“ hören. Dabei leben in Polen zwei Arten, die für das ungeübte Auge kaum zu unterscheiden sind, für Biologen jedoch zwei völlig verschiedene Kapitel darstellen. Martes foina — der Steinmarder — ist derjenige, der Sie um drei Uhr nachts über der Decke weckt. Martes martes — der Baummarder — ist derjenige, den Sie wahrscheinlich nie zu Gesicht bekommen werden, obwohl er vielleicht nur 200 Meter von Ihrem Haus entfernt wohnt.

Dieser Leitfaden fasst alle Unterschiede zusammen — von der Farbe des Kehlflecks bis zum Status im Jagdrecht — an einem Ort. Nach der Lektüre werden Sie erkennen, wen Sie auf dem Wildkamera-Foto gesehen haben, wer das Chaos in der Garage angerichtet hat und wer über den Waldweg gehuscht ist. Dies ist auch der erste Artikel in unserer Serie über marderähnliche Tiere — wir ordnen die Familie der Marderartigen von Grund auf.

§ 01Zwei Arten, ein Name — ein kurzer Überblick

In der Familie der Marderartigen (Mustelidae) umfasst die Gattung Martes in Europa zwei Arten: den Baummarder (Martes martes) und den Steinmarder (Martes foina). Beide besitzen die gleiche kräftige, gestreckte Statur, dieselben kurzen Beine mit fünf Zehen und nicht einziehbaren Krallen sowie denselben langen, buschigen Schwanz, der fast die Hälfte der Körperlänge ausmacht. Aus zwanzig Metern Entfernung, im nebligen Morgengrauen am Waldrand, würde selbst ein Zoologe vor einer eindeutigen Antwort zögern.

Die Unterschiede sind jedoch real und — sobald man gelernt hat, worauf man achten muss — sofort erkennbar. Es gibt fünf Hauptmerkmale: Farbe und Form des Kehlflecks, Statur, Lebensraum, Lebensweise und rechtlicher Status. Die ersten drei lassen sich im Gelände feststellen. Das vierte und fünfte anhand der Karte und des Kalenders. In diesem Artikel gehen wir alle nacheinander durch.

Namensgebung

In der polnischen Literatur taucht für den Steinmarder auch der Name „kamionka“ und für den Baummarder „tumak“ auf. Beide sind historisch und werden hauptsächlich in der Jagd und Ethnografie verwendet. In wissenschaftlichen Texten findet man ausschließlich Martes foina und Martes martes — an diese Konvention halten wir uns auch in diesem Portal.

§ 02Der Kehlfleck — der erste und sicherste Unterschied

Wenn Sie nur eine Sekunde Zeit zur Unterscheidung haben — schauen Sie auf die Brust. Der Kehlfleck (oder Latz), also der helle Fleck auf Brust und Hals, ist bei beiden Mardern vorhanden, sieht aber völlig unterschiedlich aus. Dies ist das sicherste, am besten reproduzierbare und am wenigsten von der Beleuchtung abhängige Unterscheidungsmerkmal zwischen den Arten.

Vergleich der Kehlflecken von Steinmarder und Baummarder
Abb. 02Links der Kehlfleck des Steinmarders (weiß, gegabelt, reicht bis auf die Beine). Rechts der Kehlfleck des Baummarders (gelborange, ungeteilt, endet auf der Brust).

Der Steinmarder hat einen rein weißen Kehlfleck, manchmal mit einem leichten Cremeton, aber niemals gelblich. Er ist gegabelt — im unteren Teil teilt er sich in ein „V“ oder „Y“ und reicht deutlich bis auf die Vorderbeine hinunter, manchmal bis zu den Handgelenken. Der Kontrast zum restlichen Fell ist stark, der Fleck ist sauber und gut abgegrenzt.

Der Baummarder hat einen cremegelben Kehlfleck, bei erwachsenen Tieren oft deutlich orange oder rostfarben. Er ist ungeteilt — er gabelt sich nicht und reicht nicht bis auf die Beine, sondern endet auf der Brust, manchmal knapp unterhalb des Kehlkopfes. Die Ränder sind verwaschener, der Kontrast schwächer, der Fleck wirkt wie ein natürlicher Farbübergang und nicht wie ein aufgenähter Flicken.

Weiße Gabelung an den Beinen — Steinmarder. Oranger Keil auf der Brust — Baummarder. Dieser eine Unterschied reicht in 95 % der Situationen im Feld aus.

Hinweis

Auf Fotos von Wildkameras wird der Kehlfleck durch den Infrarotblitz oft überbelichtet und wirkt heller, als er tatsächlich ist. Achten Sie in diesem Fall nicht nur auf die Farbe, sondern auf die Form und Ausdehnung des Flecks: gegabelt und auf die Beine reichend = Steinmarder, ungeteilt und auf der Brust endend = Baummarder.

§ 03Größe, Statur, Schwanz

Der zweite, wenn auch im Gelände schwierigere Unterschied, ist der Körperbau. Der Baummarder ist im Durchschnitt etwas schlanker und leichter, der Steinmarder kräftiger, „massiver gebaut“. Die Unterschiede sind jedoch subtil und überschneiden sich weitgehend: Ein großer Baummarder kann schwerer sein als ein kleiner Steinmarder, daher reichen Maße allein nie für eine eindeutige Diagnose aus.

  • Steinmarder (Martes foina) — Körperlänge 42–48 cm, Schwanz 22–26 cm, Gewicht 1,1–2,3 kg. Silhouette deutlich kräftiger, Beine etwas kürzer, Kopf im Wangenbereich breiter.
  • Baummarder (Martes martes) — Körperlänge 45–58 cm, Schwanz 22–27 cm, Gewicht 0,8–1,8 kg. Silhouette schlanker, längere Beine, Kopf schmaler, „dreieckiger“.
  • Schwanz: Bei beiden Arten buschig, beim Baummarder wirkt er jedoch oft länger im Verhältnis zum Körper — da der Baummarder selbst schlanker ist.
  • Pfoten: Die Pfoten des Baummarders sind an der Unterseite deutlich behaart (eine Anpassung an lange Winter im Wald und das Laufen auf Schnee); beim Steinmarder sind die Sohlen nackt oder nur sehr spärlich behaart — ein wichtiges Merkmal bei Spuren.
  • Nase: Beim Steinmarder ist sie hellrosa bis fleischfarben, beim Baummarder dunkel — schwarz oder dunkelgrau. Dies ist ein weiteres schnelles Erkennungsmerkmal aus der Nähe.

Auf die Frage „welcher Marder ist größer“ gibt es keine einfache Antwort. Der Baummarder ist im Durchschnitt länger, aber der Steinmarder ist bei gleicher Länge schwerer. In der Praxis: Wenn das Tier kräftig und „untersetzt“ wirkt — setzen Sie auf Steinmarder; wenn es lang, leicht und „schlangenartig“ erscheint — am ehesten Baummarder.

§ 04Lebensraum — Wald vs. Mensch

Hier liegt der tiefste und praktischste Unterschied. Beide Arten haben sich im Wald entwickelt, aber eine von ihnen hat in den letzten zweihundert Jahren einen spektakulären ökologischen Sprung vollzogen — und sich in unseren Häusern niedergelassen.

Der Baummarder ist ein klassischer Bewohner geschlossener Laub- und Mischwälder, mit einer Vorliebe für Altholzbestände mit vielen Baumhöhlen. Am liebsten besetzt er verlassene Eichhörnchenkobel, Eichelhähernester oder Spechthöhlen — hoch oben in alten Buchen, Eichen oder Fichten. Wo lebt der Baummarder? In ganz Polen, aber die Populationsdichte ist in großen Waldkomplexen wie dem Białowieża-Urwald, der Rominter Heide oder in den Karpaten deutlich höher. Wirtschaftswälder mit gleichaltrigen Monokulturen bieten ihm weniger Lebensraum.

Der Steinmarder ist eine synanthrope Art — eng an den Menschen gebunden. Ursprünglich bewohnte er felsige, offene Gebiete Südeuropas: Geröllhalden, Klippen, Ruinen. Im 19. und 20. Jahrhundert nutzte er dörfliche und später städtische Bebauung als Ersatz für diese Nischen. Heute findet man ihn auf Dachböden von Bauernhöfen, in Scheunen, in Leerständen, aber auch in Garagen von Siedlungen, unter Dächern von Einkaufszentren und in Stadtparks. Die Grenze seines natürlichen Areals lag früher in Norddeutschland und Südpolen — heute hat er bereits Skandinavien erreicht.

Überschneidung der Areale

In weiten Teilen Polens kommen beide Arten nebeneinander vor, besetzen aber unterschiedliche Mikronischen: der Baummarder im tiefen Wald, der Steinmarder am Dorfrand und in Städten. Kontakt ist selten, Kreuzungen — eine Ausnahme (einzelne Hybriden sind aus der Gefangenschaft bekannt, in der Natur existieren sie fast nicht).

§ 05Lebensweise und Verhalten

Beide Arten sind hauptsächlich nacht- und dämmerungsaktiv, beide sind opportunistische Raubtiere (Nager, Vögel, Eier, Insekten, Früchte). Aber ihre Beziehung zum Menschen ist grundverschieden — und sie entscheidet in der Praxis darüber, welche Art Sie sehen werden oder mit welcher Sie Probleme bekommen.

Der Baummarder ist extrem scheu. Er reagiert bereits auf menschlichen Geruch auf dem Pfad mit Flucht und meidet Siedlungen, Straßen und Lärm deutlich. Seine Beobachtung in der Natur grenzt an ein Wunder — die meisten dokumentarischen Fotos stammen von Wildkameras oder aus Reservaten. Er betrachtet den Menschen als Bedrohung und nähert sich nicht freiwillig. Daher gibt es praktisch keine Beschwerden über Baummarder auf Dachböden — wenn so etwas doch vorkommt, dann in einsamen Forsthäusern oder verlassenen Häusern tief im Wald.

Der Steinmarder hingegen hat sich über Jahrhunderte an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt. Er fürchtet sich nicht vor Lichtern, Geräuschen, Autos oder Hunden. Während der Jungenaufzucht (April–Juli) kann er bei der Verteidigung des Wurfes sogar aggressiv sein — er greift Hunde an, faucht Eindringlinge auf dem Dachboden an und verteidigt das Nest mit schrillem Bellen. Er ist der Hauptdarsteller aller Geschichten über „Lärm auf dem Dachboden“, über die wir im Leitfaden wie man die Anwesenheit eines Marders oder Wiesels im Garten erkennt geschrieben haben.

Der Baummarder flieht, der Steinmarder bleibt. Das ist in einem Satz der ganze Unterschied zwischen der wilden und der synanthropen Lebensstrategie innerhalb derselben Gattung.

§ 06Schutzstatus und Jagdrecht

Dies ist der am häufigsten übersehene, aber praktisch wichtigste Unterschied. Ein Irrtum kostet hier nicht nur Nerven, sondern kann ernsthafte rechtliche Konsequenzen haben — denn beide Arten sind auf völlig unterschiedliche Weise geschützt.

Der Baummarder (Martes martes) unterliegt in Polen dem partiellen Artenschutz gemäß der Verordnung über den Schutz von Tierarten. Er darf nicht getötet, gefangen oder während der Fortpflanzungszeit gestört werden; auch seine Verstecke dürfen nicht zerstört werden. Er ist zudem im Anhang V der EU-Habitatrichtlinie als eine Art aufgeführt, deren Entnahme aus der Natur Gegenstand von Verwaltungsmaßnahmen sein kann.

Der Steinmarder (Martes foina) ist ein Jagdtier mit einer Schonzeit vom 1. April bis zum 31. August. Die Jagd auf ihn darf ausschließlich von Personen mit Jagdberechtigung, während der Saison (1. September – 31. März) und nur mit den nach dem Jagdrecht zulässigen Methoden durchgeführt werden. In der Praxis gibt es wenig Abschüsse — innerhalb bebauter Gebiete darf nicht geschossen werden, und der Marder selbst ist ein schwieriges Ziel.

Konsequenzen eines Irrtums

Das Töten eines Baummarders — selbst in der Überzeugung, es handele sich um einen „schädlichen“ Steinmarder am Hof — ist eine verbotene Handlung. Es drohen Bußgelder und in Fällen von Vorsatz strafrechtliche Konsequenzen nach dem Naturschutzgesetz. Wenn Sie Zweifel an der Art haben, schießen oder fangen Sie nicht. Zuerst ein Foto mit der Wildkamera, dann die Entscheidung.

§ 07Vergleichstabelle

Alle Unterschiede an einem Ort — zum schnellen Überprüfen im Gelände oder beim Betrachten eines Wildkamera-Fotos. Wenn Sie an einem breiteren Überblick über die Marderartigen interessiert sind, lesen Sie Marder vs. Wiesel — was man über diese Säugetiere wissen sollte.

MerkmalSteinmarder (M. foina)Baummarder (M. martes)
Körperlänge42–48 cm45–58 cm
Gewicht1,1–2,3 kg0,8–1,8 kg
Kehlfleck — Farbeweiß, manchmal cremefarbencremegelb bis orange
Kehlfleck — Formgegabelt, reicht bis auf die Vorderbeineungeteilt, endet auf der Brust
Schwanz22–26 cm, buschig22–27 cm, buschig, relativ länger
Fußsohlennackt, schwach behaartdeutlich behaart (im Winter dicht)
Nasehellrosa / fleischfarbendunkel — schwarz oder dunkelgrau
LebensraumGebäude, Städte, Dörfer, Felsengeschlossene Laub- und Mischwälder, Altholz
Typisches VersteckDachboden, Schornstein, Garage, ScheuneBaumhöhle, Eichhörnchenkobel, Totholz
Lebensweisesynanthrop, mutig gegenüber Menschenextrem scheu, meidet den Menschen
Schutzstatusjagdbar, Schonzeit 1.IV.–31.VIII.partieller Schutz (ganzjährig)

Häufig gestellte Fragen

Wie sieht ein Steinmarder aus?

Der Steinmarder (Martes foina) ist ein mittelgroßer Marderartiger: 42–48 cm Körperlänge plus 22–26 cm buschiger Schwanz, Gewicht 1,1–2,3 kg. Das Fell ist dunkelbraun, die Statur kräftig und massiv, mit kurzen Beinen und fünf Zehen mit nicht einziehbaren Krallen. Das sicherste Erkennungsmerkmal ist der weiße, gegabelte Kehlfleck auf der Brust, der sich bis auf beide Vorderbeine ausdehnt. Die Nase ist hellrosa, die Fußsohlen sind fast nackt.

Was ist der Unterschied zwischen Baummarder und Steinmarder?

Es gibt drei Hauptunterschiede. Kehlfleck: Beim Steinmarder weiß und gegabelt, reicht bis auf die Beine — beim Baummarder cremegelb bis orange, ungeteilt, endet auf der Brust. Lebensraum: Der Steinmarder lebt in der Nähe des Menschen (Dachböden, Städte, Dörfer), der Baummarder tief in geschlossenen Laub- und Mischwäldern. Status: Der Steinmarder ist ein Jagdtier, der Baummarder steht unter Naturschutz. Die Maße überschneiden sich — der Baummarder ist im Schnitt länger, der Steinmarder bei gleicher Länge schwerer.

Wohnt der Baummarder im Haus?

Praktisch nein. Der Baummarder (Martes martes) ist extrem scheu und meidet Menschen, Lärm und Siedlungen. Wenn Sie Galoppgeräusche über der Decke hören, zerbissene Kabel im Auto haben oder zerstörte Isolierung auf dem Dachboden finden — dann ist es mit 99%iger Wahrscheinlichkeit ein Steinmarder, kein Baummarder. Ausnahmen sind verlassene Forsthäuser, alte Hütten tief im Urwald oder Jagdhütten — dort kommt eine Besiedlung durch den Baummarder sporadisch vor.

Welcher Marder ist größer?

Das kommt darauf an, wie man misst. Der Baummarder ist im Durchschnitt länger (45–58 cm vs. 42–48 cm), aber der Steinmarder ist schwerer bei vergleichbarer Länge (1,1–2,3 kg vs. 0,8–1,8 kg), da er eine kräftigere, massivere Statur hat. In der Praxis: Wenn das Tier „untersetzt“ und massiv gebaut wirkt, ist es ein Steinmarder; wenn es schlank, leicht und „schlangenartig“ wirkt, ein Baummarder. Die reine Messung ohne qualitative Merkmale reicht oft nicht aus.

Steht der Baummarder unter Naturschutz?

Ja. Der Baummarder (Martes martes) unterliegt in Polen dem partiellen Artenschutz und ist im Anhang V der EU-Habitatrichtlinie aufgeführt. Er darf nicht getötet, gefangen oder in seinen Verstecken gestört werden. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zum Steinmarder, der ein Jagdtier mit einer Schonzeit vom 1. April bis 31. August ist. Wenn Sie Zweifel haben, mit welcher Art Sie es zu tun haben, behandeln Sie das Tier wie eine geschützte Art und ergreifen Sie keine invasiven Maßnahmen.

Können sich Baum- und Steinmarder kreuzen?

In der Natur praktisch nicht. Trotz überschneidender Gebiete besetzen beide Arten unterschiedliche Mikronischen (tiefer Wald vs. Siedlungsraum), verhalten sich territorial zueinander und obwohl sich die Paarungszeiten überschneiden, sind Begegnungen zwischen den Arten selten. Einzelne Hybriden wurden in Gefangenschaft dokumentiert, in der Natur sind dies jedoch Ausnahmen ohne Bedeutung für die Population. Genetisch haben sich Martes foina und Martes martes vor etwa 4 Millionen Jahren getrennt und bilden heute eigenständige Evolutionslinien.