Die meisten Menschen fragen erst dann nach jungen Mardern, wenn sie sie selbst hören — hohe, zwitschernde Quietschlaute, die irgendwo unter den Deckenbalken oder hinter der Schornsteinverkleidung hervorkommen. Die Frage ist meist kurz: Wann verschwinden sie und was ist bis dahin zu tun? Die Antwort ist länger als gedacht — denn der Fortpflanzungszyklus von Steinmarder und Baummarder gehört zu den faszinierendsten unter den europäischen Säugetieren.

Dieser Leitfaden führt durch den vollständigen Zyklus: von der sommerlichen Ranz über das physiologische Phänomen der embryonalen Diapause, die Geburt und die ersten Wochen im Nest bis hin zu dem Moment, in dem sich die Jungen in ihre eigenen Reviere verteilen. Er zeigt auch, wie man erkennt, dass ein Wurf auf dem Dachboden sitzt, und was man (nicht) tun sollte, wenn man gerade in diese Zeit gerät. Für eine kurze Zusammenfassung der Ethologie erwachsener Tiere verweisen wir auf den Text Gewohnheiten des Steinmarders.

§ 01Wann sich Marder fortpflanzen — die Sommerranz

Die Paarungszeit (Ranz) beider einheimischen Marder — des Steinmarders (Martes foina) und des Baummarders (Martes martes) — fällt in den Juli und August, in wärmeren Regionen Südpolens lokal auch schon einige Wochen früher. Dies ist ein untypischer Termin im Vergleich zu den meisten europäischen Raubtieren, die ihre Paarungszeit im frühen Frühjahr haben. Marder haben dafür einen evolutionären Grund, auf den wir in Abschnitt 02 zurückkommen.

Das Signal zur Eröffnung der Saison ist eine Veränderung der Vokalisation. Die sonst sehr diskreten Tiere beginnen, lange, klagende Rufe auszustoßen — täuschend ähnlich dem Miauen von Katzen, nur tiefer und rhythmischer. Dies ist vor allem die Stimme der rolligen Weibchen, aber auch der Männchen, die ihre deutlich erweiterten Reviere patrouillieren. Jeder, der schon einmal in einer Julinacht die Marderpaarung auf dem Dachboden gehört hat, wird sich jahrelang an diesen Laut erinnern.

Das Männchen überschreitet in der Paarungszeit seine festen Grenzen und besucht nacheinander die Reviere mehrerer Weibchen in der Nähe. Begegnungen mit anderen Männchen enden häufiger in physischen Auseinandersetzungen als in den restlichen Monaten des Jahres — daher stammen die charakteristischen Narben an den Schnauzen älterer Tiere. Die Kopulation selbst ist lang: sie dauert von etwa 15 Minuten bis zu einer Stunde und wird innerhalb eines Tages mehrfach wiederholt, manchmal über zwei, drei aufeinanderfolgende Abende. Dieser Mechanismus erhöht die Chancen auf eine Befruchtung, da es bei Mardern zur induzierten Ovulation kommt — ausgelöst durch die Stimulation bei der Kopulation und nicht spontan.

Warum im Sommer

Die Paarung mitten im Sommer scheint kontraintuitiv — schließlich werden die Jungen erst im Frühjahr geboren. Der Schlüssel ist die verzögerte Einnistung des Embryos: Die Kopulation im Juli ergibt einen Embryo, der erst im Februar mit der Entwicklung beginnt. Die Paarungszeit ist auf die Verfügbarkeit von Partnern abgestimmt (Sommer — Höhepunkt der Populationsaktivität) und nicht auf die Verfügbarkeit von Nahrung für die Jungen — diese wird durch ein separates „Fenster" im physiologischen Kalender sichergestellt.

§ 02Verzögerte Einnistung — ein biologisches Meisterwerk

Die embryonale Diapause, auch bekannt als verzögerte Einnistung des Embryos (embryonic diapause) oder Keimruhe, ist der interessanteste Fortpflanzungsmechanismus der Marder und vieler anderer Marderverwandter. Sie besteht darin, dass die befruchtete Eizelle, die sich nach einigen Teilungen in eine Blastozyste verwandelt hat, sich nicht sofort in der Gebärmutterschleimhaut einnistet. Über lange Monate schwebt sie frei in der Gebärmutterhöhle in einem Zustand fast vollständigen Stoffwechselstillstands.

Bei Mardern beträgt dieser Zeitraum durchschnittlich 7–8 Monate. Zum Vergleich: beim Dachs sind es 9–10 Monate, beim Hermelin 9–10 Monate, bei der Rötelmaus gibt es überhaupt keine Diapause. Der Mechanismus wird hormonell gesteuert und schaltet sich als Reaktion auf die Photoperiode ein: Sobald die Tageslänge deutlich zunimmt (Ende Januar/Anfang Februar), sinkt der Prolaktinspiegel, der Körper des Weibchens „entriegelt" die Gebärmutter und die Blastozyste nistet sich in der Schleimhaut ein. Ab diesem Moment zählt die eigentliche Trächtigkeit, die nur noch etwa einen Monat dauert.

Die Evolution hat bei Mardern den Zeitpunkt der Kopulation vom Zeitpunkt der Embryonalentwicklung getrennt — und dazwischen ein halbes Jahr Wartezeit eingefügt. Aus Sicht des Weibchens ist das Luxus: Paarung ohne die metabolischen Kosten einer Trächtigkeit.

Warum hat sich dieser Mechanismus überhaupt entwickelt? Drei Hypothesen schließen sich nicht aus und wahrscheinlich haben alle ein wenig recht. Erstens — die Trennung der Paarungszeit (wenn die Population dicht und die Chance auf einen Partner am größten ist) von der Geburt (wenn es leicht ist, Nahrung für die Jungen zu finden). Zweitens — die Möglichkeit eines „Trächtigkeitsstopps" bei schlechten Bedingungen, obwohl Felddaten darauf hindeuten, dass Weibchen in sehr schlechter Verfassung den Embryo eher resorbieren als die Diapause zu verlängern. Drittens — genetische Qualitätskontrolle: Der lange Zeitraum zwischen Befruchtung und Einnistung selektiert nur gesunde Blastozysten.

Für den Feldbeobachter hat die Diapause eine fundamentale Folge: Vom Zeitpunkt der Kopulation an gerechnet dauert die Trächtigkeit beim Marder insgesamt etwa 9 Monate, obwohl die tatsächliche Entwicklung des Embryos nur 4–5 Wochen beansprucht. Deshalb geben alte Ratgeber manchmal „30 Tage Trächtigkeit" an, andere „9 Monate" — beide Beschreibungen sind korrekt, sie beziehen sich auf unterschiedliche Phasen desselben Prozesses.

§ 03Trächtigkeit, Geburt und Wurfgröße

Nach der Einnistung der Blastozyste verläuft die Entwicklung des Embryos bereits typisch für Marderverwandte. Die eigentliche Trächtigkeit dauert etwa 30 Tage (28–32, mit gelegentlichen Ausnahmen in beide Richtungen). Das Weibchen verringert in dieser Zeit deutlich den Radius seiner nächtlichen Runden, kehrt häufiger in denselben Unterschlupf zurück und nimmt intensiver Nahrung auf — die Gewichtszunahme in der zweiten Hälfte der Trächtigkeit ist bei Tieren, die für Telemetriestudien gefangen wurden, gut sichtbar.

Kurz vor der Geburt (24–48 Stunden vorher) wählt das Weibchen einen gut gesicherten Platz für das Nest aus und trägt Polstermaterial hinein: trockenes Heu, Blätter, Moos, Vogelfedern, manchmal Stücke von Isolierwolle vom Dachboden, Hunde- oder Katzenhaare. Das Nest hat die Form einer kompakten Kugel mit einem Durchmesser von 25–35 cm und einem deutlich abgegrenzten, engen Inneren. Meist entsteht es auf dem Dachboden, in der Decke über einem Stall, in einer verlassenen Scheune oder in einem Holzstapel; seltener, wenn auch klassisch — in einer Baumhöhle eines alten Baumes oder zwischen Wurzeln.

Die Geburt fällt in den März oder April — mit einem sehr schmalen Höhepunkt im zweiten und dritten Märzdrittel. Lokal können sich einzelne Würfe um zwei bis drei Wochen in jede Richtung verschieben, aber Schwankungen außerhalb des Zeitraums März–April sind selten. Ein Wurf besteht normalerweise aus 2–7 Jungen, am häufigsten 3, manchmal 4. Extremwerte (1 oder 7) kommen vor, sind aber Weibchen in außergewöhnlicher Verfassung oder im Gegenteil Erstgebärenden vorbehalten.

Phase des ZyklusZeitraumDauer
Paarung / KopulationJuli–Augusteinige Tage
Verzögerte EinnistungAugust–Januarca. 7–8 Monate
Eigentliche TrächtigkeitFebruar–Märzca. 30 Tage
GeburtMärz–April
WurfpflegeMärz–Julica. 3–4 Monate
Selbstständigkeit der JungenJuli–August
GeschlechtsreifeSommer des Folgejahres12–18 Mon. nach der Geburt

Der Baummarder hat einen fast identischen Zyklus — die Unterschiede liegen im Bereich von Wochen und ergeben sich hauptsächlich daraus, dass er in einer kühleren Waldumgebung mit einem etwas späteren Frühling lebt. Einen detaillierten Vergleich beider Arten finden Sie im Leitfaden Baummarder vs. Steinmarder.

§ 04Die ersten Lebenswochen im Nest

Neugeborene Marder wiegen gerade einmal 25–30 g — das ist weniger als eine durchschnittliche Hausmaus. Sie haben eine Länge von ca. 10 cm und sind mit einem dünnen, hellgrauen Flaum bedeckt, durch den die rosa Haut schimmert. Sie werden blind, taub und zahnlos geboren und sind unfähig, ihre eigene Körpertemperatur zu regulieren. Die vollständige Abhängigkeit von der Mutter in den ersten zwei Lebensmonaten ist keine Metapher, sondern eine buchstäbliche biologische Notwendigkeit.

Die ersten 7–10 Tage verbringt das Weibchen praktisch ohne Unterbrechung im Nest. Es verlässt es nur für sehr kurze Beutezüge (15–30 Minuten), meist kurz nach Sonnenuntergang, zu den nächsten Nahrungsquellen — Komposthaufen, Hühnerställe, Orte, an denen sich Nagetiere im Umkreis von 100–200 m vom Nest aufhalten. Deshalb verschärft sich der Konflikt mit Geflügel dramatisch gerade im März und April — eine säugende Mutter benötigt etwa 1,5–2 mal mehr Kalorien als zu anderen Jahreszeiten, und ein Hühnerstall bietet die nächstgelegene hohe Kaloriendichte in der Umgebung.

Marderweibchen trägt Junges im Maul zu einem neuen Nest auf dem Dachboden
Abb. 02Umsiedlung des Wurfs in ein Ersatznest. Das Weibchen tut dies typischerweise in der 3. bis 5. Lebenswoche der Jungen — wenn das erste Nest bereits verschmutzt ist, stark nach Exkrementen riecht oder vom Menschen entdeckt wurde.

Ein charakteristisches Merkmal ist die Neigung zum Umbetten des Wurfs. Mindestens einmal, häufiger zweimal während der Aufzucht, bringt das Weibchen die Jungen in ein anderes, reserviertes Nest. Der Grund ist meist die Verschmutzung des ursprünglichen Verstecks (Parasiten, Nahrungsreste) oder eine Störung durch den Menschen — Gerüche nach dem Betreten des Dachbodens, Rauch, intensiver Lärm. Das Umbetten erfolgt nacheinander im Maul, im Nackenfell — genau wie bei Katzen. Die gesamte Operation dauert 1–3 Stunden und findet immer nachts statt.

Bis zur etwa 3. Woche geben die Jungen fast keine Laute von sich — einzelne Quietschlaute beim Füttern sind das einzige Lebenszeichen. Ab der 3.–4. Woche wird ihre Vokalisation lauter und vielfältiger, und ab der 5. Woche hört man bereits deutliches Quieken und kurzes Knurren beim Spielen. Zu diesem Zeitpunkt beginnen Hausbewohner, „mehr als ein Tier" über der Decke zu hören.

§ 05Entwicklung und Meilensteine

Das Entwicklungstempo junger Marder ist für Marderverwandte relativ langsam — schneller als beim Dachs, aber deutlich langsamer als beim Mauswiesel. Die entscheidenden Phasen in den ersten zwei bis drei Lebensmonaten sind so vorhersehbar, dass sie es erlauben, das Alter eines auf dem Dachboden gefundenen Wurfs gut abzuschätzen.

  • Woche 1–2: Das Gewicht steigt von 25–30 g auf ca. 60–70 g. Die Jungen schlafen praktisch ständig und saugen alle 2–3 Stunden. Keine Pigmentierung im Fell, keine Zähne. Thermoregulation gleich Null — ohne die Mutter kühlen sie innerhalb weniger Minuten aus.
  • Woche 3: Die ersten Milchschneidezähne brechen durch. Das Fell dunkelt nach, der Ansatz des weißen Kehlflecks auf der Brust erscheint. Das Gehör beginnt zu funktionieren — die Jungen reagieren mit Zusammenzucken auf plötzliche Geräusche.
  • Woche 4 (ca. 30. Tag): Öffnen der Augen. Der deutlichste Moment in der Entwicklung. Vollständiges Fell, die Thermoregulation beginnt zu arbeiten, die Jungen können die Mutter kurzzeitig verlassen. Gewicht: 130–180 g.
  • Woche 5–6: Erste Versuche mit fester Nahrung — anfangs halbflüssige Teile der von der Mutter gebrachten Beute (Gehirn, Vogelleber, junge Mäuse). Milch dominiert noch, aber der Anteil fester Nahrung steigt von Tag zu Tag. Erste Streitereien und Spiele im Nest.
  • Woche 7–8: Erste Ausflüge aus dem Nest. Zuerst einige Meter auf dem Dachboden oder in der Scheune, dann immer weiter. Das Fell ähnelt bereits der Färbung der Erwachsenen, ist aber noch flaumig und heller. Gewicht: 350–500 g.
  • Woche 10–12: Erste nächtliche Ausflüge mit der Mutter. Erlernen der Jagd auf kleine Nagetiere, erste Pirschversuche, der Instinkt „töte alles, was sich bewegt" erwacht. Die Milch wird schrittweise abgesetzt.
  • Monat 4: Funktionelle Selbstständigkeit. Die Jungen jagen eigenständig, wenn auch noch im Revier der Mutter. Sie bereiten sich langsam auf die Abwanderung vor.

Ab dem Zeitpunkt des Augenöffnens in der 4. Woche verläuft die Entwicklung fast linear — jede weitere Woche ist ein deutlicher Schritt nach vorn, der bei Feldbeobachtungen leicht zu erkennen ist. Eine der besten Zeiten für die nicht-invasive Beobachtung der Jungen unter Aufsicht der Mutter ist der späte Juni und Juli, wenn die „Teenager" bereits in der ersten Stunde nach der Dämmerung auf die Dachziegel laufen — besonders in alten Höfen mit Blech- oder Eternitdächern, auf denen man jeden ihrer Schritte hört.

§ 06Woran man erkennt, dass junge Marder auf dem Dachboden sind

Die meisten Hausbewohner erfahren erst in der 5. bis 7. Lebenswoche von einem Marderwurf, wenn die Jungen anfangen zu rufen und das Nest zu verlassen. Zuvor verrät nur das Verhalten der Mutter die Anwesenheit des Wurfs — was, wenn man weiß, worauf man achten muss, recht eindeutig ist.

Fünf diagnostische Signale in der Reihenfolge ihres Auftretens von März bis Juni:

  • Kurze Ausflüge im Morgengrauen — Das säugende Weibchen verlässt regelmäßig 30–60 Minuten vor der Dämmerung das Nest für eine sehr kurze Nahrungssuche. Wenn Sie konsequent jemanden um 4:30–5:30 Uhr in derselben Spalte verschwinden sehen, ist sie es.
  • Ausflüge bei hellem Tageslicht — Im Mai und Juni kann das Weibchen seinen Bedarf nicht mehr nur nachts decken. Wenn Sie regelmäßig nach 7 Uhr morgens einen Marder sehen und er gesund aussieht, ist es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine säugende Mutter und kein krankes Tier.
  • Charakteristisches Quieken — Hohe, zwitschernde Geräusche aus der Deckenverkleidung oder vom Dachboden, am häufigsten zwischen 22 und 1 Uhr nachts sowie kurz nach der Dämmerung. Sie beginnen etwa in der 3. Woche und verstärken sich in der 5.–6. Woche.
  • Trampeln vieler Pfotenpaare — Ab der 7.–8. Woche. Statt eines einzelnen „Galopps" gibt es ein chaotisches Scharren an drei verschiedenen Stellen gleichzeitig; charakteristisch sind kurze Sprints über die Balken, unterbrochen von Stürzen und spielerischem Quieken.
  • Erhöhte Kotmenge auf dem Dach — Während der Aufzuchtzeit markiert das Weibchen deutlich häufiger als sonst. Stränge von walzenförmigem Kot am Rand der Dachrinne oder Mauer nehmen von Woche zu Woche zu. Details zur Erkennung siehe Woran man die Anwesenheit von Marder oder Wiesel im Garten erkennt.
Was man im Zeitraum März–Juli (nicht) tun sollte

Wenn sich Jungtiere auf dem Dachboden befinden, vertreiben Sie die Mutter nicht. Ein vertriebenes Weibchen kehrt oft nicht zurück, und verwaiste Junge unter 6 Wochen verhungern innerhalb von 3–5 Tagen — oft an unzugänglichen Stellen, wo sie dann über Wochen verwesen. Die Verhaltensregel ist einfach: Warten Sie bis zum Ende der Aufzucht (August) und dichten Sie erst dann das Haus ab. Versuche mit chemischen Abwehrmitteln während der Stillzeit sind wirkungslos (die Mutter wird jeden Geruch überwinden, um zu ihren Jungen zu gelangen) und grausam. Wenn Sie heute schon etwas tun müssen, beschränken Sie sich auf sanfte Licht-Abwehrsysteme an den äußeren Wegen der Mutter — ohne Eingriff in das Nest selbst.

§ 07Abwanderung und Geschlechtsreife

Nach Erreichen der vollen funktionellen Selbstständigkeit im 3. bis 4. Lebensmonat wandern junge Marder nicht sofort ab. Für weitere einige Wochen — meist bis Ende September — bleiben sie im Revier der Mutter, jagen selbstständig, nutzen aber weiterhin deren Verstecke. Dies ist eine Phase, die in der ethologischen Literatur als frühe Teenagerphase bezeichnet wird, in der die Spannungen mit der Mutter von Woche zu Woche zunehmen.

Die eigentliche Abwanderung (Dispersion) findet im September–November statt. Junge Marder verlassen das Revier der Mutter und wandern auf der Suche nach einem eigenen — manchmal 5–10 km, manchmal (vor allem Männchen) über 20 km vom Geburtsort entfernt. In dieser Zeit tauchen am häufigsten „neue" Marder bei Menschen auf, die bisher kein Problem hatten: Ein unerfahrenes Tier sucht ein Winterquartier und wählt den ersten Dachboden, in den es hineinkommt. Die Abwanderung ist auch die Zeit der höchsten Sterblichkeit im Lebenszyklus — der Anteil der Verkehrsunfälle und Kollisionen mit großen Raubtieren erreicht im Oktober und November seinen jährlichen Höhepunkt.

Die Geschlechtsreife erreichen junge Marder im Alter von 12–18 Monaten, also im Sommer des Folgejahres nach der Geburt. Ein Teil der im März geborenen Weibchen kann bereits im Juli desselben Jahres an der Paarung teilnehmen (15–16 Lebensmonate), aber die reale Chance auf den ersten Wurf besteht erst im 2. oder 3. Lebensjahr — Erstgebärende haben meist kleinere Würfe und eine höhere Jungensterblichkeit. Männchen reifen etwas später als Weibchen und nehmen meist erst im Alter von 18–24 Monaten zum ersten Mal an der Ranz teil.

Die durchschnittliche Lebenserwartung in der Natur beträgt 3–5 Jahre, obwohl Rekordhalter bis zu 10 Jahre alt werden. Ein Weibchen hat also realistisch die Chance, im Laufe seines Lebens 2–4 erfolgreiche Würfe aufzuziehen; ein Männchen zeugt eine größere Anzahl von Würfen innerhalb seines Reviers, spielt aber eine minimale Rolle bei der Aufzucht (nach der Paarung kehrt es zum Einzelgängerdasein zurück und beteiligt sich nicht an der Aufzucht). Weitere überraschende Fakten über die Biologie beider Arten finden Sie im Text Interessante Fakten über Marder und Wiesel.

Kurz zusammengefasst

Fortpflanzungszyklus des Marders: Paarung im Juli und August, verzögerte Einnistung 7–8 Monate, eigentliche Trächtigkeit 30 Tage, Geburt im März–April, Wurf von 2–7 Jungen. Öffnen der Augen in der 4. Woche, erste Ausflüge in der 8., Selbstständigkeit nach 3–4 Monaten, Abwanderung im Herbst, Geschlechtsreife nach 12–18 Monaten. Bis Ende Juli lassen wir die Mutter in Ruhe — mit dem Abdichten des Hauses beginnen wir im August, wenn das Nest leer ist. Die Rolle beider Arten bei der natürlichen Regulierung von Nagetierpopulationen wird separat im Text über die Rolle von Mardern und Wieseln im Ökosystem beschrieben.

Häufig gestellte Fragen

Wann bekommen Marder Junge?

Junge Marder werden im März und April geboren, mit einem Höhepunkt im zweiten und dritten Märzdrittel. Obwohl die Kopulation 9 Monate zuvor stattfand (Juli–August), dauert die tatsächliche Entwicklung des Embryos nur etwa 30 Tage — zwischen diesen Phasen liegt die verzögerte Einnistung, die 7–8 Monate dauert. Der Geburtszeitpunkt ist bei Mardern im Jahresverlauf sehr stabil.

Wie viele Junge hat ein Marder pro Wurf?

Ein Wurf von Steinmarder oder Baummarder besteht normalerweise aus 2–7 Jungen, meistens drei. Extremzahlen (1 oder 7) sind selten — ein einzelnes Junges ist typisch für Erstgebärende oder Weibchen in schlechter Verfassung, Würfe mit sieben Jungen für besonders starke, erwachsene Weibchen.

Was ist die verzögerte Einnistung bei Mardern?

Die verzögerte Einnistung (embryonale Diapause) ist ein Mechanismus, bei dem sich die befruchtete Blastozyste nicht sofort in der Gebärmutter einnistet, sondern 7–8 Monate lang in einem Zustand ruhender Entwicklung darin schwebt. Die Einnistung wird erst im Januar oder Februar durch die zunehmende Tageslänge ausgelöst, und die eigentliche Trächtigkeit dauert danach nur noch ca. 30 Tage. Dieser Mechanismus ermöglicht es, den Zeitpunkt der Paarung (Sommer) von der Geburt (frühes Frühjahr) zu trennen.

Wie lange dauert die Trächtigkeit eines Marders?

Die Antwort hängt davon ab, was man zählt. Von der Kopulation bis zur Geburt vergehen etwa 9 Monate, aber das ist die Zeit, in der der Embryo 7–8 Monate lang im Zustand der Diapause „wartet". Die eigentliche Trächtigkeit nach der Einnistung der Blastozyste dauert nur noch etwa 30 Tage (28–32). Alte Ratgeber geben daher zwei verschiedene Zahlen an — beide sind korrekt, beschreiben aber unterschiedliche Phasen des Zyklus.

Woran erkennt man, dass junge Marder auf dem Dachboden sind?

Fünf Signale: (1) regelmäßige Ausflüge des Weibchens 30–60 Min. vor der Dämmerung, (2) Ausflüge bei hellem Tageslicht im Mai–Juni, (3) hohe, zwitschernde Quietschlaute aus der Deckenverkleidung, am lautesten ca. 22–1 Uhr und kurz nach der Dämmerung, (4) Trampeln vieler Pfotenpaare statt eines einzelnen „Galopps" ab ca. der 8. Lebenswoche der Jungen, (5) deutlich erhöhte Kotmenge am Dachrand. All dies zusammen bedeutet, dass bei Ihnen ein Wurf liegt — und dass eine Intervention bis Ende Juli eine schlechte Idee ist.

Wann werden junge Marder selbstständig?

Das Öffnen der Augen erfolgt um den 30. Lebenstag, die ersten Ausflüge aus dem Nest nach 8 Wochen, die volle funktionelle Selbstständigkeit nach 3–4 Monaten (Juli–August). Die eigentliche Abwanderung — das Verlassen des mütterlichen Reviers — findet im Herbst (September–November) statt, wenn die Jungen 5–20 km auf der Suche nach einem eigenen Territorium wandern. Die Geschlechtsreife erreichen sie im Alter von 12–18 Monaten.